Eindecken von Pferden – ein ständig kontroverses Thema

Sollte man Pferde eindecken, sobald der Herbst kommt oder wenn sie im Offenstall stehen oder nicht zu den Robustrassen gehören? Diese Fragen stellen sich viele Pferdebesitzer.

Die Antworten auf diese Fragen sind natürlich wie immer sehr individuell zu geben, jedoch kann man auch einiges Grundlegendes dazu feststellen.

  1. Unsere Pferde sind von der Natur sehr gut an den Umgang mit der Kälte adaptiert. Selbst in der Wüste wird es nachts empfindlich kalt. Da kann die Temperatur nachts sogar bis zu minus 10 Grad sinken und die dort heimischen Pferderassen gehören jetzt nicht gerade zu den Rassen, die wir als Robustpferde bezeichnen.
  2. Wir müssen unseren Pferden die Möglichkeit geben, ihre natürlichen Regulationsmechanismen zu aktivieren.
  3. Das geht nur dann, wenn man sie nicht gleich beim ersten kühleren Tag eindeckt, und wenn man ihnen  ständig freien Zugang zu  langstiligem Heu gibt.
    Was hat Heu denn nun mit Körperwärme zu tun?
    Bei der Zerlegung der Zellulose im Dickdarm entsteht viel Wärme, die zur Erhaltung der Körpertemperatur beiträgt. Ist doch ein toller Mechanismus… Auch deshalb, und nicht nur wegen dem Magen, sollten also Pferde ständig freien Zugang zu Heu haben.
  4. An was wir selten denken, ist, dass die Regulationsmechanismen des eingedeckten Pferdes von den frei bleibenden Körperstellen die Information bekommen „mir ist kalt“. Also wird Wärme produziert, die den ganzen Pferdekörper erwärmt. Das Pferd ist nicht in der Lage, diese Wärme nur in die Füsse oder nur zu den Ohren zu schicken. Die eingedeckten Körperzonen überhitzen dabei.
  5. Wenn wir einmal begonnen haben, die Pferde regelmäßig einzudecken, können wir nicht abrupt in der kalten Jahreszeit damit aufhören, weil sonst die Pferde wirklich frieren. Da muss man dann bis zum nächsten Sommer warten und im folgenden Herbst dem Tier die Möglichkeit geben, ein gutes Winterfell zu entwickeln.
  6. Aus Sorge für unseren Schützling und weil wir es auch wirklich gut machen wollen, verwechseln wir oft unser eigenes Wärmebedürfnis mit dem des Pferdes.
  7. Wieviel Kälte einem Pferd zumutbar ist, ist letztlich immer individuell zu entscheiden, aber wenn ich bei 10 bis 15 Grad Aussentemperatur Shetlandponies und andere robuste Kleinpferde als ganze Gruppe dick eingedeckt sehe, dann ist das sicher zu viel des Guten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert